Ideale Projektlaufzeit? Kein Projekt länger als 9 Monate!

In PRINCE2-Blogby Oliver BuhrLeave a Comment

Wie lange läuft Dein aktuelles Projekt schon? Weniger als 3 Monate? Beneidenswert, da seid Ihr noch richtig motiviert. Schon ein halbes Jahr? Na, hoffentlich habt Ihr es bald geschafft. Länger als ein Jahr? Mein Beileid. Sorge dafür, dass Du da schnellstmöglich rauskommst, wenn Dir Projekte lieb sind. Egal, ob Du Projektmanager oder Projektunternehmer bist, Du profitierst von kurzen Projektlaufzeiten.

projektlaufzeit

Es sind gar nicht die Großprojekte, die gefährlich sind.

Ich rede hier nicht von den großen Bauprojekten, die immer und immer wieder als Beispiele für schlechtes Projektmanagement vor die Augen der Leserschaft gezerrt werden. Eine Elbphilharmonie oder ein neuer großstädtischer Bahnhof sind nicht in einer Projektlaufzeit von wenigen Monaten fertig und betriebsbereit. Es dauert Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Nein, ich spreche hier von den unnötig langen Projekten. Den Projekten, die aus tollkühnen Strategien von Vorständen und Geschäftsführern hervorgehen und mit einem Mehrjahres-Plan in die Organisation gedrückt werden.

  • Da geht es um die revolutionäre Neugestaltung der Kernprozesse, an denen schon 2 Jahre gearbeitet wird – kein Ende in Sicht.
  • Das Mammutprojekte der neuen unternehmensweiten Basissoftware – nach drei Jahren nähert es sich der Zielgerade, dem Rollout.
  • Portierung unserer Kundensoftware auf eine neue Technologie mit 18 Monaten intensiver Programmierung – endlich können wir unseren Kunden einen ersten Prototypen vorstellen.

Ist unsere Projektlaufzeit bereits zu lang?

In diesen Projekten, ist nichts mehr zu spüren von Innovation, Kreativität, von der motivierenden Kraft des Erschaffens von Neuem. Ist es nicht das, was Projekte ausmacht? Ich meine, es ist so. Das ist auch die Existenzberechtigung dieser besonderen Arbeitsform „Projekt“. Stattdessen ist in diesen Langläufern die Routine eingekehrt. Das Team kennt sich manchmal länger als einige Mitglieder ihre persönlichen Partner. Die hitzigen Diskussionen in den Meetings mit den Anforderern sind monotonen, sich immer wiederholenden Jour Fixes gewichen. Und täglich grüßt das Murmeltier. Projekte, in denen der Alltag regiert, gehören gestoppt.

Haben wir das Risiko aus dem Blick verloren?

Das waren die Symptome, unter denen die bemitleidenswerten Projektteammitglieder leiden. Es gibt noch schlimmere Auswirkungen. Denn die Mitarbeiter beziehen ja ein monatliches, festes Einkommen. Was bedeuten solche Langläufer für die, um deren eigenes Geld es geht? Manchmal sogar die geschäftliche Existenz? Sie gehen ohne Not große Risiken ein. Was ist, wenn der Prozessansatz nicht die erwartete Beschleunigung bringt? Was ist, wenn die Einführung der Basissoftware an der Mammutmigration scheitert? Welche Konsequenzen hat eine Fehleinschätzung der Marktnachfrage für die neue Kundensoftware? Je länger wir brauchen, um unsere Annahmen bestätigt zu sehen, umso größer ist die Gefahr.

Ist es vielleicht Zeit für einen Schlussstrich mit Lerngewinn?

Projekte sollten so kurz wie nur möglich sein. Gerade so lang, dass ein Kunde ein Ergebnis anfassen, anwenden und einen Nutzen daraus ziehen kann. So erhalten wir die erforderliche Rückmeldung; sei es vom Markt, vom Kunden oder vom Anforderer. Wenn die erste Version nach 6 Monaten Projektlaufzeit noch nicht das Gelbe vom Ei war, dann haben wir genügend gelernt, um es in einem Folgeprojekt zu einem Volltreffer machen zu können. Auch können wir Fehlentscheidungen viel schneller korrigieren. Anlässe wird es zu jedem Zeitpunkt genügend geben. Konjunkturschwankungen, Strategiewechsel, veränderte Märkte zum Beispiel.

Bei aller Liebe für Projekte & Neuerungen – es geht auch immer ums Geld!

Gerade wenn wir im Projektbusiness sind und unser Unternehmensergebnis vom Erfolg in Kundenprojekten abhängt, dann gibt es weitere Gründe für kurze Projektlaufzeiten. Nicht nur für unseren Kunden fließt das Geld mit nutzbaren Ergebnissen schneller, sondern auch für uns, dem Dienstleister. Die Abschlussrechnung kann schneller gestellt werden. Und ein letztes Argument: Wenn Kunde und wir partout nicht zusammenpassen, wenn wir uns miteinander quälen, können wir uns zum Ende des ersten Projektes viel schneller voneinander trennen und uns Partner suchen, mit denen wir besser zusammenarbeiten können.

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