Zielerreichung im persönlichen Kontext

Persönliche Zielerreichung mit dem Bluesheet

In PRINCE2-Blog by Oliver Buhr1 Comment

In den letzten Monaten wurde mir klar, wie auffällig die Parallelen zwischen der Projektplanung und der persönlichen Zielerreichung sind. Persönliche Ziele sind nichts anderes als private Projekte. Die Erkenntnis klingt zunächst simpel und auch nicht wirklich neu. Umso spannender ist die Frage, warum die Rate der gescheiterten Projekte im privaten Bereich noch gravierend höher ausfällt als im beruflichen Umfeld.

Unser Bluesheet wird inzwischen von vielen tausend Projektmanagern genutzt, um bereits beim Projektstart alle für den Projekterfolg verantwortlichen Faktoren zu berücksichtigen. Es wird also alles Erdenkliche getan, um das Scheitern durch einen durchdachten Start zu verhindern. In diesem Artikel möchte ich mit dir drei Gedanken darüber teilen, wie die persönliche Zielerreichung mit dem Bluesheet erfolgreicher gestaltet werden kann. Und ich bin sehr an deiner Einschätzung interessiert.

Zielerreichung mit dem Bluesheet

SMARTe Ziele sind viel zu wenig

Ganz häufig starten wir mit der Frage nach dem WAS. Was möchte ich erreichen, haben, ändern oder sein? Viele strukturiert denkende Menschen gehen dann gleich über in die SMART-Phase. Wir erinnern uns: Das Ziel bzw. das Ergebnis muss Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminiert sein. Diese Formel beschreibt das WAS sehr genau und gibt uns klare Kriterien, ob wir das Ziel erreicht haben oder nicht.

Das WAS wird aber im Bluesheet erst in Schritt 6 und 7 gemäß SMARTen Kriterien genauer beschrieben. Mehr als 50 % eines guten Projektstarts passieren also vor der Planung des gewünschten Ergebnisses.

Wer sich intensiver mit der Zielplanung auseinandergesetzt hat, weiß, dass allein ein gut beschriebenes Ergebnis in den meisten Fällen nicht reicht. Ganz oft erkennen wir auf halber Strecke, dass uns das Ziel gar nicht mehr so wichtig erscheint. Unsere Motivation sinkt und das Ziel wird nicht oder nur mit großer Kraftanstrengung erreicht. Offensichtlich haben wir uns über unser WARUM nicht ausreichend Gedanken gemacht.

Im Bluesheet wird die Frage nach dem WARUM als erstes beantwortet. In den Schritten 1 bis 3 wird nicht nur beschrieben, was der Nutzen des Projektes ist, sondern es wird auch die aktuelle Situation und der konkrete Anstoß beschrieben, warum das Projekt überhaupt und gerade jetzt gestartet werden sollte. Beides Punkte, die bei der landläufigen Definition des WARUMS oft vergessen werden. Im Geschäftskontext werden diese Elemente oft mit Hilfe eines Business Case Dokuments präzisiert. Bei der persönlichen Zielsetzung wird uns nur selten ein zahlenorientierter Business Case helfen, unsere Motivation zu erkennen. Dennoch helfen auch in persönlichen Projekten die Schritte 1-3 des Bluesheets dabei, unsere Motivation zu konkretisieren.

Zusammengefasst, meine erste Erkenntnis beim Transfer auf persönliche Ziele: Ja, auch dabei ist das WARUM das Wichtigste und erst danach kommt das WAS.

Der Weg zum Ziel im Fokus

Der Weg muss das Ziel sein! Was wie eine zu oft wiederholte Phrase klingt, wird gerade bei privaten Veränderungsprozessen und der Zielplanung ganz häufig vergessen (oder ausgeblendet). Wie oft ist es schon passiert, dass wir plötzlich merken, dass wir gar nicht bereit sind, den erforderlichen Preis für unser Ziel zu bezahlen. Es ist uns schlichtweg zu teuer geworden. Das kann ganz unterschiedliche Gründe haben:

  • Es kann sein, dass wir den Aufwand von Beginn an falsch eingeschätzt haben. Wir haben vielleicht gar nicht bedacht, was alles wirklich für die Erreichung zu tun ist.
  • Es kann auch sein, dass sich unsere anfänglichen Annahmen einfach nicht bestätigt haben und wir den Einsatz dann im Laufe des Projektes erhöhen müssen.
  • Möglicherweise haben wir unsere Ressourcen und Leistungsfähigkeit auch einfach nicht berücksichtigt oder falsch eingeschätzt.

Wenn wir uns vor Augen führen, wie lange wir den mühseligen Weg ertragen müssen und wie kurz wir uns im Vergleich dazu nur an den Ergebnissen erfreuen, müssen viele Ziele komplett in Frage gestellt werden.

Das Bluesheet beschäftigt sich in den Schritten 8 und 9 sowie 12 und 13 sehr detailliert damit, wie der Weg zum Ziel wirklich aussieht, welche Einschränkungen es gibt, welche Hindernisse wir erwarten dürfen und auf welche Ressourcen wir überhaupt zurückgreifen können.

Mein Zwischenfazit an dieser Stelle. In persönlichen Projekten ist es noch wichtiger, den Weg erfüllend und zufriedenstellend zu gestalten. Dazu bräuchte es im Bluesheet noch eine zusätzliche hinleitende Frage. Denn Laufen um des Laufens willen und nicht des Ankommens wegen – sollte bei persönlichen Zielen viel stärker in den Fokus gerückt werden.

Wir sind gar nicht allein!
Der Einfluss des Umfeldes auf die Zielerreichung

Wer es bis hierher geschafft hat, hat schon viele Faktoren vermieden, die dazu führen könnten, dass das gesteckte Ziel nicht erreicht wird. Wir haben ein starkes WARUM, ein klar definiertes WAS und sind uns auch über das WIE und den damit verbundenen Aufwand im Klaren. Und trotzdem scheitern an diesem Punkt noch viele an ihren persönlichen Zielen.

Oft vergessen wir, dass wir gar nicht allein sind auf dieser Welt. Dass sich unser Tun und unsere Veränderung auch auf andere Personen und Organisationen auswirken können und auch, dass andere Menschen ganz elementar zum Gelingen (oder zum Scheitern) unseres Vorhabens beitragen. Wenn sich z. B. unser Ehepartner durch unser zusätzliches Engagement vernachlässigt fühlt, wird sich das zwangsweise auf die Qualität der Beziehung auswirken und in direkter Folge auch auf unsere Energie bei der Zielerreichung.

Unser direktes Umfeld wird zwangsweise entweder von den Ergebnissen unserer Ziele betroffen sein oder es ist unmittelbar in die Zielerreichung eingebunden (unterstützend oder schädlich). Es kann aus dem Partner, der Familie und dem Bekanntenkreis bestehen. Genauso beinhaltet es auch alle, die zu der Zielerreichung beitragen: der Anlage-Berater, der Personal Trainer usw. Insgesamt alles Menschen, auf die wir in beschränktem Rahmen Einfluss nehmen können.

Wir müssen uns also fragen, wie unser Vorhaben in unser Umfeld passt. Doch wie sich das Umfeld voraussichtlich verhalten wird, können wir nur einschätzen, wenn wir es ganz genau kennen. Wir müssen es analysieren, die Interessen aller Parteien berücksichtigen und unser Ziel in diesem Kontext positionieren.

Das Bluesheet widmet sich diesem vielschichtigen Thema ausführlich. In den Schritten 4 und 5 werden der Auftraggeber und die Kunden des Projektes mit ihren individuellen Motiven beschrieben. In Schritt 8 berücksichtigt man z. B. beschränkende Vorgaben. In Schritt 10 kümmern wir uns um die Lieferanten. In Schritt 11 wird der Projektmanager definiert, der auch bei persönlichen Zielen nicht immer man selbst sein muss.

Mein erster Ansatz zum Transfer in ein „Personal Bluesheet“ wäre die Betrachtung der „Stakeholder“ durch einen Öko-Check zur Überprüfung der Verträglichkeit mit dem persönlichen Umfeld zu ersetzen.

Ein modifiziertes Bluesheet kann der ideale Rahmen für die Umsetzung persönlicher Ziele sein

Ich bin überzeugt, dass das Bluesheet gleichermaßen für berufliche Projekte wie für persönliche Ziele der optimale Startrahmen ist. Wir werden sicher an der einen oder anderen Stelle tiefer in die persönlichen Motive hineinhorchen müssen und es wird andere Leitfragen brauchen. Doch der Rahmen berücksichtigt bereits alle mir bekannten Konzepte zur Zielplanung.

Es würde mich brennend interessieren, was Ihr über diesen Ansatz denkt. Vor allem, ob aus Eurer Sicht Elemente fehlen und ob Ihr eine Idee zur Vervollständigung habt. Ich bin gespannt, zu welchem Ergebnis diese Idee heranreifen wird.

  • Oliver Buhr - ProjektmanagementInnovativ und praxisnah – Vordenker Oliver Buhr sorgt für hochperformante Projekte auf die leichte Art. Mit den High Performance Projects kombiniert er die weltweit besten Methoden mit innovativen Best Practice-Tools und garantiert ein schlankes Projektmanagement, das smart und agil auf die Kundenbedürfnisse zugeschnitten ist.
    Hinweis: Kennt Ihr schon die 12 universellen Projektgesetze von COPARGO? Hier informieren

Kommentare:

  1. Das ist ein guter Gedanke, Oliver.
    Es könnte auch nützlich sein, das Bluesheet mal neben den NLP-Formatrahmen zu legen und da eine Zuordnung zu machen. Ich hatte das im Rahmen meiner NLP-Masterarbeit mit dem DMAIC-Prozess aus dem Six Sigma gemacht und habe da erstaunliche Querbeziehungen entdeckt. Spez. Stakeholder und Ökocheck ist eine wertvolle Relation. Hier ist der NLP-Formatrahmen, wie ich ihn kennen gelernt habe.
    1. Rapport
    2. Problem
    3. Ziel
    4. Ressourcen
    5. Öko-Check
    6. das eigentliche NLP-Format
    7. Test
    8. Future-Pace
    Obwohl #7 und #8 erst in der „Nutzungsphase“ eintritt, ist es trotzdem wichtig, sich vorher Gedanken zu machen, weil hier das Leben dazwischen kommen kann und geeignete Maßnahmen nützlich sein können, um den Fokus aufrechtzuerhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.