Teil 2 der häufigsten Irrtümer über die PRINCE2 Schulung

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Fortsetzung der Reihe, was Entscheider über PRINCE2 Schulungen wissen sollten

Im letzten Blogbeitrag habe ich die ersten 3 Irrtümer über die PRINCE2 Schulung veröffentlicht. Das ist längst noch nicht alles. Ich habe noch drei weitere für dich. Gerade wenn Du Dich für PRINCE2 entschieden hast (gute Wahl), solltest Du diesen Artikel aufmerksam lesen. Denn er sorgt dafür, dass Du keine Fehlentscheidungen triffst und genau die richtige Einstellung bekommst, damit Du PRINCE2 in Deinen Projekten zu größtem Nutzen führen kannst. Hier also die Erkenntnisse vier bis sechs, die Du wissen solltest, wenn Du eine PRINCE2 Schulung planst:

Irrtümer über PRINCE2 Schulung

4. Irrtum: Um PRINCE2 kümmert sich die Personalabteilung

Eine Sache vorweg. Es geht noch schlimmer. Nämlich es der Sekretärin des Geschäftsführers oder dem Auszubildenden im Einkauf zu überlassen. Haben wir alles schon erlebt… Die inhaltliche Auswahl der am besten geeigneten Schulung gehört dahin, wo die Verbesserung erreicht werden soll. Nämlich in die Entwicklung, zum PMO, oder in die Projektabteilung. Eben da, wo die Projekte durchgeführt werden. Dort sollte definiert werden, was die Kriterien für die Auswahl des besten Trainings sind. Ist Branchenwissen notwendig? Welche weiteren internen Aspekte sind in das Training mit einzubinden. Welche Schwachstellen sollen im Training besonders angegangen werden? Die Personalabteilung (oder auch der Einkauf) ist Dienstleister, der eine Prozessunterstützung bei der Trainingsauswahl bieten, also ergänzend und nicht federführend.

Was tun?

Ein Bedarf für eine PRINCE2 Schulung ist schnell ausgesprochen. Da reicht oft eine Empfehlung aus einem befreundeten Unternehmen. Bevor Du einen Auftrag zur Durchführung eines Trainings aussprichst, solltest Du Dir klar machen, was Du mit der Schulung bezweckst. Ist ein Examen wirklich notwendig? (siehe Irrtum Nr. 2) Was ist das Ziel, das Du erreichen möchtest? In den vielen Gesprächen, die ich mit anfragenden Unternehmen geführt habe, wurde schnell klar, dass ein Training nur ein Baustein (von vielen) ist, um das Ziel einer optimierten Projektarbeit zu erreichen. Und oftmals ist es hilfreich, vor dem Schulungstermin einen Plan vorliegen zu haben und eine Bestandsaufnahme gemacht zu haben. Ganz wichtig ist aber auch, dass die Schulungsteilnehmer nach dem Training auch gleich die Möglichkeit bekommen, das Erlernte in ihren Projekte anzuwenden. Der Effekt der Schulung erlischt ansonsten so schnell, wie die Flamme eines Strohfeuers.

Konkret: Beantworte vor der Planung einer PRINCE2 Schulung folgende drei Fragen.
1) Was wollen wir mit dem Training erreichen?
2) Welche ergänzenden Maßnahmen sind notwendig?
3) Was ist der richtige Zeitpunkt für das Training? (Vorbereitende Aktivitäten und Anwendbarkeit direkt nach der Schulung)

5. Irrtum: Nach einer PRINCE2 Schulung können Anfänger ein Projekt leiten

Möglicherweise reicht Dir schon dieser Satz aus, um Dich zum Nachdenken zu bringen und diesen Fehler zu vermeiden. Die Realität sieht oft anders aus. Wir haben auch schon Berufseinsteiger in unseren Trainings gehabt, die den Auftrag für eine Projektleitung schon bei sich hatten. So geht es nicht. Ja, auch für Berufseinsteiger ist eine PRINCE2 Schulung sinnvoll. Als gute Grundlage für eine Karriere im Projektgeschäft. Die Leitung eines Projektes ist eine Aufgabe, die viele unterschiedliche Skills benötigt, damit sie erfolgreich durchgeführt werden kann. Und eine Menge an Erfahrung und einen sich seiner Kompetenzen bewussten, reflektierten Projektmanager. Jemand, der schon die unterschiedlichsten Krisen und Problemsituationen in Projekte kennen gelernt hat. Zuerst als Projektmitarbeiter, Assistent, oder als Stellvertreter. Da konnte er hoffentlich beobachten, wie ein erfahrenes Team mit diesen Herausforderungen umgegangen ist.

Was tun?

Es macht Sinn, einen Karriereplan für Projekte zu entwerfen. Unterschiedliche Stufen. Zum Beispiel drei: Junior-Projektmanager, Projektmanager und Senior-Projektmanager. Zu jeder dieser Positionen kannst Du notwendige Skills und auch Erfahrungen definieren und damit eine ganz konkrete Orientierung geben, was notwendig ist, um Projekte einer bestimmten Größe und Komplexität zu beherrschen. Damit beugst Du falschen Erwartungen und Enttäuschungen vor. Auf beiden Seiten.

Konkret: Eine PRINCE2 Foundation Schulung hat keine Eingangsvoraussetzungen. Benenne jedoch für die Übernahme einer ersten Projektleitung eine bestimmte Erfahrung als Voraussetzung. Mindestens ein Jahr Mitarbeit in einem (professionell geführten) Projekt.

6. Irrtum: Der PRINCE2-Practitioner ist ein Praxistraining

Dieser Irrtum ist wirklich fies. Denn Practitioner bedeutet übersetzt auf deutsch doch nun einmal Praktiker. Ist es nun ein Praxistraining? Weit gefehlt! Es ist ein auf das Foundation aufbauendes Training für Praktiker. Also für Projektleiter, die bereits eine gewisse Zeit PRINCE2 in ihren Projekten eingesetzt haben und nun noch sattelfester werden sollen. Dafür sieht der Lehrplan von Axelos (dem Urheber von PRINCE2) ein vertieftes Studium der Methode vor. Die Details werden vertieft, die Zusammenhänge besprochen und die Anwendung in unterschiedlichsten speziellen Situationen vermittelt. Die Practitionerprüfung ist ein ausgeklügeltes Testverfahren, das ohne ein intensives Lernen von Inhalten und Taktik nicht ohne weiteres zu schaffen ist. Wer intensive Gruppenarbeiten und fachlichen Austausch mit Teilnehmern und Trainern erwartet, wird enttäuscht sein.

Was tun?

Was ist denn nun das Gute an dem Practitioner-Training? Es gibt erfahrenen Projektleitern einen Nachweis ihrer Kompetenz. Es ist ein zusätzliches, aufbauendes, schwierigeres Training in der Methode PRINCE2. Wer den Practitioner bestanden hat, ist sattelfest in der Methode, nicht mehr und nicht weniger. So kannst Du natürlich den PRINCE2 Practitioner als weitere Stufe für deine Projektleiter einbauen und ihnen die Möglichkeit geben, ihr PRINCE2-Wissen aufzufrischen und sicherer zu werden.

Konkret: Wenn Du ein Praxistraining brauchst, dann gestalte mit dem Trainingsanbieter Deiner Wahl einen Praxisworkshop mit einem vorbereiteten Szenario. Plane den PRINCE2 Practitioner nur als zusätzliche Qualifizierungsstufe ein. Zum Beispiel zwei Jahre nach dem Foundationtraining.

Fazit

Auch hier noch einmal das Schlusswort des ersten Beitrags: Wir sind überzeugt und begeistert von PRINCE2. Es liefert eine ideale Grundlage, um in Unternehmen das Projektgeschäft höchst effizient zu gestalten. Es vermittelt die wichtigsten Erfolgsprinzipien für Projekte und gibt den handelnden Personen eine Basis für eine gemeinsame Sprache für Rollen, Abläufe und Projektinformationen. Deshalb ist PRINCE2 auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil dessen, was wir in unseren Trainings und unserer Beratung vermitteln. Doch die von Urheber (Axelos) gestalteten und von den meisten Anbietern auf dieser Basis durchgeführten Schulungen haben ihre Tücken. Und die sind nicht so offensichtlich. Weil wir PRINCE2 so gut kennen, wie kaum ein anderer, setzen wir es so um, dass keine Enttäuschung aufkommen kann.

Wenn Du Rückfragen zu den aufgezeigten Irrtümern über PRINCE2 Trainings und Schulungen hast, stehe ich Dir jederzeit gerne zur Verfügung. Gerne kannst Du Deine Fragen auch einfach hier im Beitrag als Kommentar hinterlassen. Ich werde ausführlich darauf eingehen. Bei persönlichen Fragen kannst Du mich natürlich auch unter o.buhr@copargo.de oder unter 06103-2002110 erreichen.

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