Projekt oder Programm, oder was?

In PRINCE2-Blogby Oliver Buhr1 Comment

In dieser Woche habe ich mit meinem Trainerkollegen Bernhard Armbruster beim Stammtisch der BPUG Deutschland einen Vortrag zu Programmmanagement mit der Best Practice-Methode MSP gehalten. Erstaunt hat uns die hitzige Diskussion, was denn überhaupt ein Programm ist. Und wann es sinnvoll sei, anstatt eines großen Projektes doch lieber ein Programm aufzusetzen. In diesem Beitrag vergleiche ich für Dich zur Veranschaulichung zwei Praxisbeispiele. Das wichtigste Kriterium, um besser ein Programm anstatt eines Großprojekts aufzusetzen, liegt in dem Umfang der Veränderung für das bestehende Business.

Beispiel

Unser Beispiel sei ein IT-Systemhaus mit 200 Mitarbeitern. Dieser Dienstleister hat zwei neue Kundenaufträge an Land gezogen. Der eine Auftrag hat das Ziel, die IT des Kunden auf Cloud Computing umzustellen. Das zweite Vorhaben betreut des Austausch von 1.000 Clients in einer großen Versicherung, die aus derm Leasing herausfallen.

Im zweiten Vorhaben kommt zwar ein großes Budgetvolumen zum Tragen, die inhaltlichen Aufgabenstellungen sind sicherlich auch herausfordernd und komplex. Dennoch ist das Ergebnis klar definiert. Mit den Bordmitteln von Projektmanagement, zum Beispiel PRINCE2, ist dieses Vorhaben durch einen erfahrenen Projektmanager gut zu stemmen.

Währenddessen ist im ersten Vorhaben das Kerngeschäft des Kundenunternehmens betroffen. In diesem Fall geht es nicht nur um die Lieferung von Ergebnissen. Es geht vielmehr darum, sicherzustellen, dass der Wandel des Geschäftsmodelles von einem heutigen Betrieb zu einem vollständig anders gearteten Betrieb (2.0) tatsächlich gelingt.

Ein Programm vereint drei Blickwinkel

Bei dieser Art von Vorhaben müssen zusätzliche Facetten betrachtet werden als bei einem Projekt mit Foku3 Facetten für Programmessierung auf die Lieferung von Ergebnissen. Programm-Management hat das Ziel, drei Blickwinkel in einem Programm zu vereinen:

  • Wie können wir den notwendigen Change in den Köpfen unserer Mitarbeiter möglichst ohne Reibung und ohne negative Auswirkungen bewältigen?
  • Wie stellen wir sicher, dass wir auch tatsächlich die Ziele aus der Strategie in Form von zusätzlichem Nutzen erreichen?
  • Wie schaffen wir es, ohne eine Unterbrechung der laufenden Produktion die gravierende Veränderung im Betrieb zu erreichen?

Für diese drei Blickwinkel bietet Programm-Management die passenden Antworten und Lösungsansätze. Sie schlagen sich nieder in Handlungsprinzipien, in einer Betrachtung von ergänzenden Themengebieten, zm Beispiel Benefits Management, und auch in der Erweiterung des Rollenmodells für eine Projektorganisation.

Eine Anmerkung: In diesem Artikel baue ich auf der Definition und Beschreibung von Programm-Management der Best Practice MSP (Managing Successful Programmes) von AXELOS auf.

Kennst Du andere Frameworks für Programm-Management? Wo siehst Du Unterschiede und wo Gemeinsamkeiten? Hast Du es schon einmal erlebt, dass eine Initiative als Projekt aufgesetzt wurde, sie aber als Programm erfolgreicher gewesen wäre?

Kommentare:

  1. Olaf Appel sagt:

    Hallo Herr Buhr,

    ich war ja auch bei dem Vortrag, der meiner Meinung nach sehr gut und gelungen war!

    Ich denke, dass die meisten der Zuhörer sich schwerpunktmäßig in der Delivery-Ebene bewegen (Lieferung von Outputs).
    Natürlich machen Sie sich dann auch Gedanken darüber, wie dieser Output später vom Betrieb „übernommen“ werden kann, aber ich denke, dass die wenigsten sich über das Thema Nutzen Gedanken machen.
    Ich habe jedenfalls noch in keinem Projekt einen brauchbaren Nutzenrevisionsplan gesehen. Leider!

    Change Initiativen, in denen es darum geht, die grundsätzliche Art und Weise des Handelns zu ändern („Change the way we do things“), sind ja eher die Ausnahme.
    Die wenigsten der Zuhörer dürften damit schon einmal zu tun gehabt haben.

    Leider ist das Thema MSP in den Unternehmen – genauso wie das Thema MoP – kaum oder gar nicht angekommen.
    Jeder startet irgendwelche Projekte. Jeder schreit nach Ressourcen – und der, der am lautesten schreit, bekommt sie dann meistens auch! 🙁
    Mit sinnvollem und effektivem Management hat das wenig zu tun.

    Aber wie heißt es so schön bei MoP:
    Es entfaltet dann seine größte Wirkung, wenn die „silo based interests“ überwunden werden.
    Ich denke, dass gilt ebenfalls für MSP!

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