Ein Blick von oben, auf die Trends unserer Zeit: Sind Social Collaboration Tools im Rahmen von Projekten und Arbeiten 4.0 nur eine Eintagsfliege?

In PRINCE2-Blog by Jan Foelsing1 Comment

Du ahnst es bereits, oder? Man kann hierbei keineswegs von einer Eintagsfliege sprechen. Warum Social Collaboration Tools nicht nur im Bereich der digital gestützten Zusammenarbeit, sondern auch z.B. im Bereich Projekte, (Workplace) Learning und Innovationen, die Zukunft gehört, möchte ich im Folgenden näher erläutern. Für mich stellen diese sogar einen der „Enabler“, ein rahmengebendes Instrument, auf dem Weg zum Arbeiten 4.0 / NewWork, dar. Hierbei sollte uns bewusst sein, dass ich dazu oft „Schwarz/Weiß Malen“ werde, auch wenn mir bewusst ist, dass wir in komplexen, also „bunten“ Systemen leben. Dies ist dem Versuch der Komplexitätsreduktion geschuldet. Ich nutze zur Erläuterung meiner Hypothese ein Modell namens Spiral Dynamics. 

Die Entwicklungsstufen unserer Gesellschaft nach Spiral Dynamics

Das Modell Spiral Dynamics sagt im Groben aus, wie wir Menschen uns im Laufe der Zeit weiterentwickelt haben. Dass dies geschehen ist, sollte irgendwie ja klar sein, da wir ja nicht alleine auf dieser Welt sind, sondern soziale Wesen, die sehr stark ein Produkt ihrer Umgebung sind. Die Wechselwirkungen in diesen komplexen Systemen führen zwangsläufig zu Reibung und dadurch zu Veränderungen im System. Man kann sich ja nicht nicht weiterentwickeln, wie es Paul Watzlawick wohl formulieren würde. Dies liegt daran, dass es einen Stillstand in komplexen Systemen, die auf Wechselwirkungen beruhen, nicht geben kann. Sonst wäre das System tot.

Zurzeit „transformiert“ sich unsere Gesellschaft nach Spiral Dynamics von den Stufen Blau / Orange hin zu Grün / Gelb.

Spiral Dynamics: Entwicklungsstufe „Blau“

Die erste Stufe die ich vorstellen möchte ist „Blau“. Davor gibt es noch 3 weitere. Diese werde ich hier allerdings nicht weiter beschreiben, da es den Rahmen sprengen würde. Wer das Modell etwas genauer betrachten möchte, kann das folgende Video dazu schauen: https://youtu.be/23aDNBvn_2g

Blau ist eine Entwicklungsstufe in der es darum geht sich einer übergeordneten Autorität, wie z.B. einer Religion, eines Staates, unterzuordnen. Es gibt Regeln und eine Moral, der man Folge zu leisten hat. Man selbst nimmt sich dabei mehr zurück. Dies führte, durch die damit einhergehende Strukturbildung, zu mehr Stabilität und Sicherheit als auf den Stufen zuvor.

In Blau entstanden die ersten Zivilisationen und später auch eher national geprägte Konzerne. Schön, mag man denken. Alle ziehen an einem Strang und es herrscht zum ersten Mal mehr Stabilität. Das passt doch so. Allerdings kam es auf dieser Stufe im Zuge der globalen Entwicklung immer öfter zu größeren Konflikten, wenn Menschen zusammentrafen, die nicht die gleichen Werte und Regeln innehatten, wie man selbst. Dies war ein Aspekt, der z.B. zu den Kreuzzügen, der Inquisition und den Weltkriegen führte und noch immer sehr präsent ist, wenn wir z.B. an das Flüchtlingsthema denken. Des Weiteren war es für die „blau tickenden“ Menschen auf Dauer schwer sich komplett unterzuordnen, also das „Ich“ zurückzustellen und voll fürs „Wir“ dazu sein.

Spiral Dynamics: Entwicklungsstufe „Orange“

Auf der nächsten Stufe „Orange“ legte man deshalb wieder einen größeren Fokus auf sich selbst. Auf seine eigene Entwicklung und seine Position in der Gesellschaft. Status, Konsum, Effizienz, Messbarkeit und Wachstum sind beschreibende Schlagworte für Orange. Als Überbegriff könnte man auch Kapitalismus verwenden.

Es war zudem eine Stufe in der viel zentralisiert wurde, um seine Macht mittels Messen und Steuern leichter festigen und ausbauen zu können. Die Mechanismen seine eigene Entwicklung zu fokussieren, nach dem Motto: „Wenn sich jeder um sich kümmert, ist jedem geholfen.“, funktionierten auch sehr gut in stetig wachsenden und „planbaren“ Märkten.

Ein Wohlstandsboom der industrialisierten Länder, war die Folge. Doch führte der Fokus auf einen selbst, also „ich ich ich, der Rest ist mir mehr oder weniger egal“ oftmals dazu, „Raubbau“ an unserem Planeten und den sich in der Hierarchie unter uns befindlichen Menschen zu betreiben. Die meisten Ressourcen sind nun einmal endlich und immer Mehr anzuhäufen, macht auch nicht glücklicher. Deswegen wurde es Zeit für den nächsten Entwicklungsschritt. Du ahnst es wahrscheinlich schon, wie ein Pendel zwischen einem „Ich“ und einem „Wir“ Fokus rücken wir auf der nächsten Entwicklungsstufe wieder mehr in Richtung einer „Wir-Kultur“. Siehe hierzu z.B. auch: http://bit.ly/2sKObl5.

Es ist aus meiner Sicht genau der Punkt an dem wir uns momentan befinden. Die meisten Menschen in den industrialisierten Ländern sind auf der Stufe Blau und Orange unterwegs. Immer mehr davon entwickeln sich langsam hin zum nächsten Level namens „Grün“.

Spiral Dynamics: Entwicklungsstufe „Grün“

„Grün“ steht für Communities, für mehr Nachhaltigkeit, mehr Verantwortung anderen und der Umwelt gegenüber. Eine größere „Share- & Care-Mentalität“. Für ein auflösen der Hierarchien zugunsten von Netzwerken und ein aufbrechen der Silos und zentralisierten Strukturen. Dezentralere Systeme mit mehr Eigenverantwortung und Entscheidungsgewalt sind Merkmale von Grün.

Das diese Stufe am Wachsen ist, sieht man aus meiner Sicht sehr gut anhand der aktuell immer stärker aufkommenden Themen wie z.B. Holocracy, Crowdfunding, Coworking Spaces, Shareconomy, Agilität bzw. NewWork / Arbeiten 4.0 aber auch an neuen sozialen Netzwerken wie nebenan.de oder der Meetup App, die alle diesem Wertekonstrukt folgen. Die Anzahl von Vegetariern und Flexitariern ist hierfür auch ein Indiz. Siehe: http://bit.ly/1XJl9hU

Spiral Dynamics: Entwicklungsstufe „Gelb“

Die darauffolgende Stufe „Gelb“, ist eine ganz besondere Stufe. Menschen die diese Stufe erreicht haben, mussten dafür sehr fleißig sein, da es hierfür sehr viel an Selbstreflexion und eine starke Motivation sich selbst weiterzuentwickeln bedarf.

Es ist die erste Stufe, die die Stufen „unter“ oder „über“ ihr nicht als falsch, betrügerisch, … also negativ ansieht. Ein Beispiel: „Grüne“ die auf „Orangene“ schauen, sehen nur böse Menschen, die für ihren eigenen Vorteil über Leichen gehen. „Orangene“ sehen in „Grünen“ nur ein paar Öko-Hippies, die sehr idealistisch sind, aber nichts wirklich vorantreiben können.

Menschen auf Stufe Gelb denken sehr stark systemisch, vernetzt, integral, ohne sich selbst dabei zu „vergessen“. Die gelbe Stufe ist zwar wieder mehr „Ich“ geprägt, aber dies immer im Kontext des Ganzen. Ich bezeichne dieses Level gerne als „Ich im Wir“. Menschen auf gelb möchten sich ständig selbst weiterentwickeln, „Ich-Exzellenz“ erreichen, aber sehen auch immer den Kontext, indem sie sich bewegen. Sie streben dabei eine Art „Win-Win-Situation“ zwischen beiden Extremen (Ich und Wir) an. Die persönliche Entwicklung, darf die des Umfelds nicht negativ beeinflussen.

Woher kommen die neuen Trendthemen und Innovationen unserer Zeit?

Meine abschließende und zusammenführende Hypothese lautet: Die neuen Trendthemen und Innovationen kommen oftmals von Menschen die „ihrer Zeit voraus sind“. In diesem Kontext bedeutet dies der vorherrschenden Entwicklungsstufen.

Viele der neuen Ideen und Konzepte unserer heutigen Zeit werden aus meiner Sicht von Menschen entwickelt, die bereits auf Stufe Grün und Gelb sind. Deswegen sehen wir z.B. auch im technologischen Bereich Entwicklungen wie Social Collaboration / Social Media Tools, Enterprise Social Networks, oder auch Themen wie die Vernetzung von mittlerweile sogar Maschinen (KI) untereinander.

Auch autonomes Fahren bzw. neue Mobility Konzepte, welche z.B. den Besitz eines eigenen Autos in Zukunft seltener werden lassen, passen hier sehr gut rein. Nichts geschieht zufällig, ist hier meine Kernaussage. Deswegen zeigen die Entwicklungen in den Bereichen Social Collaboration (Technologie), Agilität (Methoden) und unsere Gesellschaft für mich alle in die gleiche Richtung, welche sich unter dem Begriff NewWork subsummieren lassen. 

Ganzheitliche Transformation über alle Bereiche und Ebenen steht uns bevor: Was bedeutet das für unser Projektgeschäft?

Für das Projektgeschäft im Rahmen dieser Transformation bedeutet dies mehr Transparenz in Projekten, mehr Projekte über die Unternehmensgrenzen hinweg, weniger Controlling und mehr Coaching in Anlehnung an die Rolle des SCRUM Masters unterstützt durch Social Collaboration Tools wie DaPulse, Stackfield oder Slack mit einem Schuss agiler Methoden wie SCRUM, Business Model Canvas und Design Thinking.

Persönliche Schlussbemerkung: Die zurzeit immer stärker sichtbaren Widerstände, wie z.B. das Wählen von Donald Trump, oder bei uns der AfD ist ein (hoffentlich) letztes Aufbäumen der noch vorherrschenden Entwicklungsstufen Blau/Orange hin zu Grün/Gelb. Hierzu passt wie ich finde sehr gut ein Zitat, welches oft im Bereich Innovationsmanagement genutzt wird.

„Alle Wahrheit durchläuft drei Stufen. Zuerst wird sie lächerlich gemacht oder verzerrt. Dann wird sie bekämpft. Und schließlich wird sie als selbstverständlich angenommen.“ Arthur Schopenhauer

  • Über den Autor:

    Jan Foelsing arbeitet an der Schnittstelle zwischen IT und Fachbereich seit nunmehr über 10 Jahren. Dabei durfte er in großen Konzernen wie Siemens, Daimler und Porsche, KMUs wie Lohmann Tapes, NGOs wie Build-up Kids Africa und der Startup-Branche tätig sein. Er bezeichnet sich durch diese vielseitigen Erfahrungen selbst als eine Art Systemonaut, Framework Designer oder Agile Solution Developer. Momentan arbeitet er im eLearning Kompetenz Center der Hochschule Pforzheim in dem er das Thema Social Collaboration verantwortet sowie als Freiberufler und Gründer von Elevation Labs. Seine Formel für eine positive Entwicklung lautet: (Zusammenarbeiten + Lernen + Innovieren + Verändern) * digitale Unterstützung. Das WIR steht für Ihn dabei im Fokus.
    Mehr über Jan: janfoelsing.de