PRINCE2

PRINCE2 hat mit 1,5 Millionen Zertifikaten die weltweit größte Verbreitung. Was steckt hinter dieser Projektmanagement-Methode? 

Laut einer Studie von PMI aus dem Jahr 2017 arbeiten im Projektbusiness in Deutschland mehr als 1,2 Millionen Menschen. Kein Wunder, dass der Bedarf für Knowhow-Aufbau und Training im Projektmanagement. Das Angebot an Trainings ist vielfältig. Bei näherer Recherche stößt man auf PRINCE2. Dieses Kunstwort ist eine Abürzung aus der Beschreibung PRojects IN Controlled Environments, also Projekte in gesteuerten Umgebungen. Was hat es mit dieser Umgebung auf sich? Was ist das Besondere an PRINCE2? Welche Inhalte vermittelt PRINCE2? Wie kann man PRINCE2 erlernen? Antworten auf diese Fragen finden Sie in diesem Beitrag.

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Was ist PRINCE2 ?

PRINCE2 wird von Unternehmen und Menschen aus den verschiedensten Branchen eingesetzt.

PRINCE2 fokussiert sich darauf, eine Managementumgebung für Projekte zu beschreiben und so für einen planbaren Projekterfolg zu sorgen. Für jeden Projektbeteiligten wird das Wesentliche aus dem Projektmanagement bereitgestellt. Die Methode baut auf sieben Prinzipien, sieben Themen und sieben Prozessen auf. Weil PRINCE2 sehr flexibel ist, kann es auf jede Projektgröße und jeden Kontext zugeschnitten werden und ist somit für alle Projekte geeignet, unabhängig von Art und Umfang.

Im nebenstehenden Video erfahren Sie in 4 Minuten alles Wesentliche zu PRINCE2.

Warum PRINCE2?

PRINCE2 nimmt eine besondere Stellung unter den weltweit verbreiteten Standards. Dadurch profitieren Anwender von folgenden Vorteilen:

1. Höhere Attraktivität und Reputation am Markt

Weltweit gibt es über 1,5 Million zertifizierte PRINCE2-Profis. PRINCE2 ist somit als die weltweit meistverwendete Methode für das Projektmanagement fest etabliert. Laut dem Eigentümer Axelos sollen 59% aller Projektmanager über eine PRINCE2® Qualifikation verfügen. Weil die Methode so weit verbreitet ist, kann eine Zertifizierung damit nicht nur Ihre Glaubwürdigkeit als Projektmanager erhöhen, sondern auch Ihr berufliches Netzwerk und Ihre Karrierechancen weltweit erweitern. Somit hebst Du Dich aus der Masse hervor! Außerdem hilft PRINCE2 Dir bei Deiner Karriere – bei vielen Unternehmen ist der professionelle Umgang mit PRINCE2 eine Vorbedingung, um einen Job als Projektmanager/in zu erhalten. Tatsächlich gaben laut AXELOS 88 % aller Projekt-Profis an, dass PRINCE2 ihnen bei ihrer beruflichen Entwicklung geholfen hat.

2. Der schnellste Einstieg in eine PM-Zertifizierung

Weil PRINCE2 so fokussiert und schlank ist, erreichst Du in nur zwei aufeinander aufbauenden Zertifizierung die Qualifikationen, um Projekte mit PRINCE2 effizient zu managen. Im Unterschied zu PMI beschäftigt sich PRINCE2 nicht damit, alle Wissensgebiete im Projektmanagement zu beschreiben, sondern gibt eine klare Anleitung, was konkret wann zu tun ist. PRINCE2 ist hier deutlich schlanker, klarer und rascher anwendbar. Die Ausbildung zum „PMP“ nach PMI hat zwei Hürden. Zum einen muss eine langjährige Erfahrung nachgewiesen werden. Zum anderen beträgt der Zeitaufwand für die Zertifizierung zum „PMP“ im Durchschnitt mehr als 10 Tage. Diese Hürden gibt es bei PRINCE2 nicht, es gibt keine Voraussetzungen für die Teilnahme und das PRINCE2 Foundationzertifikat kann mit einer Zeitinvestition von nur etwa 3 Tagen erworben werden.

3. Hohe Sicherheit im Projektalltag

PRINCE2 beschreibt in einem konsistenten, vollständigen und vor allem klaren Prozessmodell alle Management-Aktivitäten, die während eines Projektes durchgeführt werden sollten. Die Prozesse sind mit einem durchdachten und effizienten Informationsmodell verbunden. So schaffst Du für jedes Projekt einen transparenten Einblick für alle Stakeholder. Beides in Kombination gibt insbesondere Projektmanagern mit noch wenig Erfahrung einen roten Faden, der sie in jeder Situation sicher durch ihr Projekt leitet. Somit verhilft PRINCE2 jedem Projektmanager zu einem erfolgreicheren und effektiveren Management seines Projekts.

4. Ein Ansatz für ALLE Projekte

Du triffst in jedem Fall die richtige Entscheidung wenn Du als Projektmanager in PRINCE2 investierst. Denn das Rahmenwerk von PRINCE2 liefert Dir eine Anleitung wie Du es auf jede Projektumgebung zuschneiden kannst. Egal, ob es um eine Anpassung an die Größe, die Art des Projekts oder die individuellen Bedürfnisse der Organisation handelt, PRINCE2 ist so generisch, dass es einfach und schnell für jeden Kontext effektiv eingesetzt werden kann. Success Stories belegen dies, zum Beispiel aus der öffentlichen Verwaltung, aus Bauprojekten, aus IT-Projekten und vielen anderen Branchen. Auch für die immer weiter verbreiteten agilen Instrumente für die Entwicklung von Produkten in Teams ist PRINCE2 hervorragend geeignet. „PRINCE2 Agile“ liefert einen griffigen Lösungsansatz, wie „agil“ und „klassisch“ im gemeinsamen Einsatz zu großen Synergien führen.

5. Verlässliche Ergebnislieferung

PRINCE2 fokussiert sich auf das, was den Kunden am meisten interessiert: Die Ergebnisse. Von Beginn an orientieren sich PRINCE2-Projektmanager darauf, Produkte für den Kunden klar zu definieren und diese im Projektverlauf auch zu erstellen. So sorgt PRINCE2 dafür, dass Kunden und Auftraggeber sicher genau die Ergebnisse erhalten, die sie tatsächlich benötigen. Die gewünschten Ergebnisse werden in iterativen Schritten eindeutig geplant und deren Erstellung im Projektverlauf konsequent verfolgt. Ein konsequenter Ablauf für Änderungswünsche sorgt dafür, dass das weitverbreitete Phänomen des „Scope Creep“ – also die schleichende Zunahme der Anforderungen – eliminiert wird.

6. Gesicherter Projektstart

Über einen zweistufigen Ansatz mit jeweils einem Prozess gewährleistet PRINCE2, dass jedes Projekt eine solide Startbasis erhält. Alle Stakeholder werden eingebunden, klare Projektziele und eineindeutiger Projektumfang werden definiert. Von Beginn an wird Missverständnissen vorgebeugt. Du als Projektmanager erhälst einen vollständigen und eindeutigen Auftrag um Dein Projekt mit einer soliden Startbasis durchzuführen.

7. Reibungsfreies Zusammenspiel der Rollen

Mit seinem präzisen Modell einer Projektorganisation wird für jeden Beteiligten im Projekt eine Rolle eindeutig definiert. Somit hat jede Person eine klar gefasste Verantwortung, ergänzt um Kompetenzen und nötigen Aktivitäten. Gerade Du als Projektmanager profitierst in besonderem Maße von diesem Best Practice Rollenmodell. Denn Du weißt genau, was Du vom Auftraggeber des Projekts zu erwarten hat und was Deine eigenen Pflichten sind. Über sauber beschriebene Berichts- und Eskalationswege stellst Du eine effiziente und schnelle Kommunikation im Projektverlauf sicher.

Keine andere Methode schafft so leicht eine Umgebung für erfolgreiche Projekte

Die vier Bausteine von PRINCE2

Die Prinzipien

Sieben Grundprinzipien schaffen ein gemeinsames Mindset für alle Projektbeteiligten. Sie sind die Essenz aus jahrzehntelanger Anwendungserfahrung. Somit können sie auch als Erfolgsfaktoren bezeichnet werden. Die sieben Prinzipien lauten:

  1. Fortlaufende gescftliche Rechtfertigung
  2. Lernen aus Erfahrung
  3. Definierte Rollen und Verantwortlichkeiten
  4. Steuern über Managementphasen
  5. Steuern nach dem Ausnahmeprinzip ( management by exception )
  6. Produktorientierung
  7. Anpassen an das Projekt

Die Themen

Die sieben Themen sind Aspekte, die bei der Abwicklung eines Projekts kontinuierlich angewendet werden. Somit stellen sie eine Zusammenfassung des benötigen Grundwissens für Projektmanager dar. Die sieben Themen geben gleichzeitig Antworten auf die wichtigsten Fragestellungen, die sich bei der Gestaltung eines Projekts ergeben:

  1. Business Case – Warum?
  2. Organisation – Wer?
  3. Qualität – Was?
  4. Pläne – Wie? Wie viel? Wann?
  5. Risiken – Was wenn?
  6. Änderungen – Was sind die Auswirkungen? Wo stehen wir jetzt?
  7. Fortschritt – Wohin gehen wir? Sollen wir weitermachen?

 

Die Prozesse

Die Projektprozesse sind Beschreibungen von Aktivitäten, die an bestimmten Stellen des Projektablaufs stattfinden. Sie haben einen Auslöser zum Start, danach werden die beschriebenen Aktivitäten ausgehrt, das hrt zu einem Output, der wiederum den nächsten Prozess auslöst.

Ein Projekt nach PRINCEmanagen bedeutet, diese Prozesse können wie ein Rezept gelesen und befolgt werden. Die Prozesse hren Sie durch das Projekt, indem sie beschreiben, was zu tun ist. Prozesse sind eindeutig einer Managementebene zugeordnet. r die meisten Prozesse ist der Projektmanager  verantwortlich. Die sieben Prozesse sind:

  1. Vorbereiten eines Projekts
    Prüfung ob das Vorhaben tragfähig genug ist, um es zu starten
  2. Initiieren eines Projekts
    Dem Projekt ein solides Fundament geben und die Konsequenzen der Durchführung identifizieren
  3. Lenken eines Projekts
    Sicherstellen, dass jederzeit die notwendigen Entscheidungen durch befugte Personen getroffen werden
  4. Steuern einer Phase
    Das Projekt kontinuierlich im definierten Rahmen halten
  5. Managen der Produktlieferung
    Für die Lieferung von Ergebnissen sorgen
  6. Managen eines Phasenübergangs
    Das Projekt auf den Prüfstand stellen
  7. Abschließen eines Projekts
    Projektergebnisse übergeben, sicherstellen, dass das Projekt beendet werden kann

 

Die Projektumgebung

Die Anpassung an die Projektumgebung sorgt dafür, dass das Projektmanagement genau auf den individuellen Kontext zgeschnitten ist.  Jedes Unternehmen, jedes Projekt ist anders und somit gibt es keine one-size-fits-all- solution. PRINCE2  gibt hierbei hilfreiche Vorschläge, nach welchen Kriterien und Parametern man in welcher Situation welche Anpassungen vornehmen könnte.

Vergleich PM-Methoden

PRINCE2® ist eine vollständige und prozessbasierte Projektmanagementmethode und lässt sich daher nicht vergleichen mit Vorgehensmodellen zur agilen Softwareentwicklung wie etwa Scrum. Gerade Scrum lässt sich allerdings relativ einfach in PRINCE2® integrieren auf der Ebene des Teammanagers im Prozess Managen der Produktlieferung.

Als „echte“ Vergleiche kommen Ansätze wie PMBoK, ICB oder das V-Modell XT in Frage. Die ersten beiden haben gemeinsam, dass vorrangig das Fachwissen bzw. die Kompetenzen des Projektmanager angesprochen werden und wenig Ansätze für Skalierbarkeit vorhanden sind. PRINCE2® hingegen sieht den Projektmanager als einen von mehreren, der für den Erfolg des Projektes verantwortlich ist. PRINCE2® ist hierbei also mehr als Rahmen zu sehen, der im Unterschied zu obigen frei skalierbar ist und somit bei fachgerechter Anwendung auch für kleinere Projekte anwendbar bleibt, weniger Dokumentation bedarf und eine gezieltere Einbindung wichtiger Stakeholder gewährleistet.

Vergleicht man PRINCE2® mit dem V-Modell XT, so ist dieses lediglich für IT-Projekte anwendbar, außerhalb von Deutschland unbekannt und trotz seiner eingebauten dynamischen Ansätze nicht empfehlenswert für kleinere Projekte. 

PRINCE2® und ITIL® kommen aus dem gleichen „Hause“, ergänzen sich nahtlos und haben klare Schnittstellen: Wenn ITIL® das Beständige in der IT regelt, dann steuert PRINCE2® den Wandel.

PRINCE2®-Zertifizierung

PRINCE2® wird personenbezogen zertifiziert: Level 1 (Foundation) benötigt keine Vorkenntnisse und Level 2 (Practitioner) baut direkt darauf auf. Beide Zertifikate können hintereinander innerhalb von einer Woche im Rahmen einer Schulung absolviert werden. Die Zertifizierung ist somit wesentlich einfacher und kostengünstiger als bei vergleichbaren Projektmanagementansätzen. Es gibt derzeit neun akkreditierte Trainingsunternehmen in Deutschland. .

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